Montag, 20. Februar 2012

Totentanz


Heute treffen sich in Brüssel mal wieder die Dealer. So darf man die Finanzfuzzis der Eurozone ruhig nennen, denn es ist ja meistens die Rede von einem Deal, wenn zum x-ten Mal darüber gedealt wird, wie sich noch mehr Bankenrettung aus noch mehr Verarmung und Elend leiern lässt.

Beim heutigen Dealer Meeting gaben sich fast alle Beteiligten zwanghaft optimistisch, wie immer, wenn sie lügen wie gedruckt. Kostproben Orwellscher Sprechblasen gibt es hier und hier. Zu den wenigen, die ihren (längst amputierten) Herzen Luft machten und Tacheles redeten, zählte der niederländische Chefdealer Jan Kees de Jager - er gab zum Besten, wie er sich das so vorstellt mit Griechenland und den Griechen. Weil, irgendwie muss man die doch zur Räson bringen! Irgendwer muss das denen doch beibiegen: Nur wer verarmt, ist auch zu retten! Kann doch nicht so schwer zu verstehen sein! Immer diese störrischen Griechen!

Rettung naht. Noch bevor die Gespräche in Brüssel begannen, zog De Jager seinen Plan für den perfekten Deal aus dem Ärmel:
Der niederländische Finanzminister ließ durchblicken, dass er eine "permanente Troika" in Athen wünsche als Gegenleistung für das nächste Finanzpaket ..."I favour permanent Troika presence in Athens, escrow account (Treuhandkonto)"...
(De Jager) appears to be insisting on the European Union, the European Central Bank and the International Monetary Fund having a fixed role within the Greek capital in the years ahead."
Fixed heißt: unveränderlich, permanent heißt: ständig. Also nicht wie bisher so alle drei Monate mal Chefvisite von der Troika in Athen mit abschließendem Quartalsreport; nix da, taugt nichts, hat man ja gesehen, den Griechen muss man auf die Finger schauen, bei denen kann man nichts dem Zufall oder den nächsten Wahlen überlassen, denen muss man zeigen, wo der Hammer hängt:
"I am in favour of more control, more supervision..."
- schon klar, Supervision ist gut, Kontrolle ist besser,
"...Money is the thing we can control the Greeks with."
- was sich jeder verarmte Grieche bestimmt gern sagen lässt, weshalb die holländische Finanzmarionette auf die Frage, ob die "permanent troika" dann das Vetorecht über den griechischen Haushalt hätte, (in den Orwellschen Modus zurückfallend) antwortet:
"...of course a country remains to some extent always sovereign..."
In gewissem Ausmaß souverän bleiben, davon träumt wohl jeder Souverän, aber alles kann er nun mal nicht haben, der griechische Souverän, und man will ihm ja auch nicht zu viel zumuten. Zum Beispiel Wahlen im April. Wer braucht schon Wahlen? Überhaupt - was heißt schon April? Nie mehr wählen gehen müssen! Nie mehr, dank der unveränderlichen, ständigen Präsenz der Troika in Griechenland. Wenn das kein Deal ist.

Bildquelle:
Ein lesenswertes Blog mit dem sinnigen Namen

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