Mittwoch, 10. Juli 2013

Urlaub im reichsten Land der Welt


Sind Sie deutsch? Dann sind Sie urlaubsreif.

Weil, um diese Jahreszeit sind die meisten Deutschen urlaubsreif. Ist so eine Art Naturgesetz. Um diese Jahreszeit kommt man mit den meisten Deutschen am lockersten ins Gespräch, wenn man das Thema Urlaub anschneidet. Ah, Urlaub! Endlich fort von hier! Abschalten, ausspannen, Seele baumeln und fünf grade sein lassen. Nur, wohin mit der baumelsüchtigen deutschen Seele? Natürlich erst mal ins Reisebüro. Angebote vergleichen. Und, ganz wichtig, Preise vergleichen. Man will ja was kriegen für sein hart verdientes Geld. Also erst mal gucken: Wo wird was geboten?

Wie, Katalog? Ach, hörnsedochauf. Kein Bock auf stundenlang Rumblättern. Ist ja alles kostbare Zeit, die von den kostbarsten Wochen des Jahres, Sie wissen schon, abgeht. Hamsenich so was Pauschales, irgend so ein rundum-sorglos-Dingens, also, so ein Urlaubsziel, irgendwo im Süden Europas, einfach hinjetten und es sich gut gehen lassen, so wie früher halt, wissen Sie, wie damals, vor dieser Scheißkrise, die einem alle Urlaubspläne vermiesen kann, weil, verstehen Sie, wir wollen einfach nur Urlaub machen und sonst nix, und Krise und der ganze Scheiß, nee, echt, kein Bock, weil, wir haben jetzt Urlaub und deshalb wollen wir Urlaub und basta. Also, wohin?

Klaus Suttmann via Radio Kreta

Hey, cool, ja genau, so haben wir uns das vorgestellt, so wie früher halt. Arm, aber trotzdem glücklich, und immer gut im Improvisieren, diese Griechen, einfach klasse.

Hamse vielleicht noch so ein bisschen Hintergrundliteratur zu Griechenland, wissen Sie, so für Bildung und so, weil, man will ja nicht völlig unbeleckt dort einfallen, man will ja vorher bisschen was lesen, was einen so erwartet? Ah, Sie haben da schon so eine Art Dossier vorbereitet, sehr gut, zeigensemalher.

Ach du lieber Gott ... Selbstmordrate, HIV-Neuinfektionen, verhungernde Kinder ... gehnsebloßweg, also, so genau wollten wir es eigentlich nicht wissen. Weil, das mit der Armut, wie gesagt, ist ja schön und gut, aber dass die sich deshalb gleich umbringen oder verhungern? Oder dauernd in Mülltonnen nach was Essbarem suchen, also, so viel Armut will man ja im Urlaub nicht unbedingt mitansehen müssen, weil, ist ja schließlich unser Urlaub, und da wollen wir es schön haben, wenn Sie verstehen.

Hey, washamsedennda? Ist ja voll cool! Die sind ja gar nicht so arm, wie sie immer tun! Was für ein phantastischer Werbeslogan! Von wem stammt der, sagten Sie? Vom griechischen Ministerium für Tourismus?
Greece: The richest place in the world
Hey, das rockt. Eins der ärmsten Länder Europas, das sich als das reichste Land der Welt verkauft - das hat Biss, das hat Schmiss, da fahren wir hin! Die verlieren kein Wort über die Scheißkrise, die Arbeitslosigkeit, die Selbstmordrate, die Obdachlosigkeit, den Hunger und die ganze Verzweiflung - nee, die denken positiv:
"Lasst uns unsere beste Identität zeigen. Die Marke, der Name 'Griechenland' ist allmächtig. Sie durchsteht jede Krise."
Wissen Sie, um ehrlich zu sein, eigentlich wollten wir letztes Jahr schon nach Griechenland, aber irgendwie ging uns da die Muffe, weil die ja nur noch am Randalieren waren auf der Straße, bitte, da kein doch kein Mensch sich erholen, da vergeht einem ja jeder Gedanke an Urlaub:
Während der Präsentation gab sie (Olga Kefaloyianni, die griechische Tourismusministerin) sich optimistisch und sagte, dies werde ein gutes Jahr für Griechenland nach einem enttäuschenden Jahr 2012, in dem die Touristen scharenweise wegblieben wegen ständiger Medienberichte über Streiks, Proteste und Aufstände gegen Lohnkürzungen, Steuererhöhungen und gestrichenen Renten.
Ein gutes Jahr für Griechenland, keine Streiks, keine Proteste, keine Krawalle! Nix wie hin! Sangsemal - nur zu unserer Sicherheit -, kann man sich da wirklich drauf verlassen, was diese Frau Olga behauptet? Dass dieses Jahr endlich Ruhe ist in Griechenland, damit wir in Ruhe Urlaub machen können? Wie, Sie können das dokumentieren?
Ein Unternehmen zur Herstellung und Lieferung von Panzerwesten für Militärpersonal und Polizeikräfte hat einen Deal in Höhe von mehr als 1,2 Millionen britischen Pfund eingeheimst, um die griechische Polizei auszurüsten.
Der kaufmännische Leiter von VestGuard, Oliver Lincoln, zeigte sich "absolut begeistert" über die Auftragsabwicklung mit der griechischen Polizei, zu einem Zeitpunkt, wo diese Ausrüstung wirklich zu Buche schlagen wird in dem Land.
Isjavollderwahnsinn, Mensch. Ichsachmalso, also, sooo arm können die ja nicht sein, wenn sie eben mal locker 1,2 Mille Pfund abdrücken können für schussichere Westen und so Zeugs für ihre Polizei, na egal, jedenfalls sind wir dann ja voll auf der sicheren Seite. Was sagen die, "zu einem Zeitpunkt, wo diese Ausrüstung wirklich zu Buche schlagen wird in dem Land"? Damit meinen die doch hoffentlich, dass im Jahr 2013 die griechische Polizei so aufgestellt sein wird, dass das auch garantiert, ähm, zu Buche schlägt? Ja? Sicher?

Okay. Griechenland ist gebucht. Nix wie hin.

Kommentare:

  1. Es fehlen eigentlich nur noch die Obristen. Erst wenn in den Kellern wieder gefoltert wird, schmeckt der Ouzo erst richtig.
    Dazu recht schön passend: Das Auswärtige Amt warnt vor Nilrundfahrten. Das klingt ein wenig wie die Warnung, nicht in die Blutlachen zu treten.

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    1. Kein Problem, hamwadoch alles im Rundum-sorglos-Paket, hier kuckensema, so ne friedliche Demo gestern unter der Akropolis wegen so nem hungerstreikenden Anarchotypen, hat die Polizei gleich voll hart durchgegriffen, Recht und Ordnung, wissense, muss ja sein, zu Ihrer - jawoll, Ihrer! - Sicherheit, na ja, wennse als Touri grad unter der Akropolis rumschlendern, hamse halt Pech gehabt, hättense mal lieber ne Nilrundfahrt gebucht.

      "Tourists enjoy your stay and live your police brutality in Greece!"

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    2. Aua! Das geht ja gar nicht. Ich dachte, die wollten Behörden in Griechenland gnadenlos abbauen? Da haben sie wohl an der falschen Stelle angefangen. Vielleicht doch nicht zuerst Ärzte und Krankenpfleger...
      Herresatanindernacht. Dann lass die Fettärsche lieber Lösegeldopfer auf dem Nil werden.
      Was ne Welt.
      Gruß vom Pantoufle

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